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<title>Chimta</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Chimta</span></h1>
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<p><b>Chimta</b> (<i>chimtā, chimpta</i>, <a href="Panjabi" title="Panjabi">Panjabi</a> <bdo dir="ltr"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r238817674">
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</style><bdi dir="rtl" lang="pa-Arab" class="Arab arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate">ਚਿਮਟਾ</bdi></bdo>, <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Urdu" title="Urdu">Urdu</a></span> <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ur-Arab" class="Arab arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-style:normal">چمٹا</bdi></bdo> [Aussprache <i>tschimta</i>], „Grillzange“, auch <i>haribol</i><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) ist ein <a href="Perkussion_(Musik)" title="Perkussion (Musik)">Perkussionsinstrument</a>, das in Nord<a href="Indien" title="Indien">indien</a> besonders im <a href="Punjab_(Indien)" title="Punjab (Indien)">Punjab</a>, in der angrenzenden <a href="Pakistan" title="Pakistan">pakistanischen</a> Provinz <a href="Punjab_(Pakistan)" title="Punjab (Pakistan)">Punjab</a>, in <a href="Uttar_Pradesh" title="Uttar Pradesh">Uttar Pradesh</a> und in <a href="Haryana" title="Haryana">Haryana</a> in der Volksmusik und in der religiösen Musik, vor allem der <a href="Sikhismus" title="Sikhismus">Sikhs</a>, gespielt wird. Die <i>chimta</i> wird in Pakistan auch von <a href="Sufismus" title="Sufismus">Sufi</a>-Anhängern in der religiösen Musik verwendet. Mit dem aus einem Volkstanz der Punjabi hervorgegangenen Popmusikstil <i><a href="Bhangra" title="Bhangra">bhangra</a></i> wurde die <i>chimta</i> in den indischen Diasporagemeinden im Westen verbreitet. Die Grundform der <i>chimta</i> ist von einer <a href="Grillzange" title="Grillzange">Grillzange</a> abgeleitet und besteht aus zwei Eisenzungen, die beim Spiel federnd gegeneinander geschlagen werden, was eine Reihe von Rasselplättchen (<a href="Zimbel" title="Zimbel">Zimbeln</a>) an den Außenseiten der Zungen zum Klingen bringt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauform">Bauform</h2></div>
<p>Die <i>chimta</i> gehört zu den bereits im <a href="%C3%84gypten_in_griechisch-r%C3%B6mischer_Zeit" title="Ägypten in griechisch-römischer Zeit">römischen Ägypten</a> vorkommenden <a href="Gabelbecken" title="Gabelbecken">Gabelbecken</a> und entspricht im Wesentlichen einer Grillzange, die in indischen Haushalten beispielsweise dazu dient, <a href="Chapati" title="Chapati">Chapatis</a> über dem offenen Feuer knusprig werden zu lassen. Nach der <a href="Hornbostel-Sachs-Systematik" title="Hornbostel-Sachs-Systematik">Hornbostel-Sachs-Systematik</a> ist die <i>chimta</i> eine Stab<a href="Rassel" title="Rassel">rassel</a> innerhalb der Gruppe der mittelbar geschlagenen <a href="Idiophon" title="Idiophon">Idiophone</a>, nach der <a href="Klassifizierungen_von_Musikinstrumenten#Südasien" title="Klassifizierungen von Musikinstrumenten">indischen Klassifizierung</a> wird sie der entsprechenden Kategorie <i>ghana vadya</i> zugeordnet. Das Instrument besteht aus einem Bandstahl, der in der Mitte um 180° umgebogen ist, so dass zwei etwa 60 bis 75 Zentimeter lange Metallzungen entstehen, die in einem spitzen Winkel annähernd parallel zueinander verharren. Mit einer verschiebbaren Klammer an der Knickstelle kann der Abstand der beiden Zungen in Ruheposition eingestellt werden. Die Knickstelle ist zu einer Öse ausgebildet, durch die ein Ring lose durchgezogen ist. An jeder Zunge sind an der Außenseite zwei Gruppen von jeweils fünf oder mehr Messingscheiben (Zimbeln) paarweise lose auf Stifte gesteckt. Ein Sicherungsring am Ende der Stifte hindert die Scheiben am Herausfallen.
</p><p>Der Musiker hält die <i>chimta</i> mit der Innenfläche der linken Hand an der Knickstelle und schlägt mit den Fingern von unten den Ring rhythmisch gegen eine Zunge. Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand drückt er bei dem quer vor seinem Oberkörper bewegten Instrument zusätzlich die beiden Zungen in der Mitte an der freien Stelle zwischen den Zimbeln im Gegenschlag zusammen. Alternativ kann eine kurze <i>chimta</i> von der linken Hand mit dem durch die Öse gesteckten Zeigefinger gehalten werden.
</p><p>Bei manchen Versionen, die auch in westlichen Ländern verwendet werden, fehlen die Zimbeln und stattdessen werden die glatten Zungen gegeneinander oder mit einem Metallstab geschlagen.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dadurch wird die <i>chimta</i> zu einem Gegenschlag- oder Aufschlagidiophon. Gegenschlagidiophone (zwei selbstklingende Objekte werden gegeneinander geschlagen) sind in Gestalt von Zimbeln oder <a href="Paarbecken" title="Paarbecken">Paarbecken</a> (allgemein <i>tal</i> oder <i>taal</i>, in Südindien <i>talam</i>) von vier bis über 40 Zentimeter (<i><a href="Bartal" title="Bartal">bartal</a></i> in Assam) im ganzen Land als Taktgeber in der Volksmusik und religiösen Musik verbreitet. Ein nur in <a href="Rajasthan" title="Rajasthan">Rajasthan</a> vorkommendes Aufschlagidiophon ist das Klangplattenspiel <i>sri mandal</i>. Es besteht aus mehreren, unterschiedlich großen Metallscheiben, die an Schnüren in einem Drahtgestell aufgehängt sind und bei religiösen Zeremonien angeschlagen werden.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die einfachste Form eines metallenen Aufschlagidiophons ist die in Nordindien sehr seltene, aber bei den indischen Gemeinden in der <a href="Karibik" title="Karibik">Karibik</a> verbreitete gerade Eisenstange <i><a href="Dhantal" title="Dhantal">dhantal</a></i>, die mit einem U-förmigen Eisenstück angeschlagen wird.
</p><p>Eng mit der <i>chimta</i> verwandt ist die gabelförmige Bambusklapper <i><a href="Toka_(Klapper)" title="Toka (Klapper)">toka</a></i> im nordostindischen Bundesstaat Assam. <i><a href="Kartal_(Klapper)" title="Kartal (Klapper)">Kartal</a></i> (<i>khartal</i>) ist ein weit verbreiteter Name für Holz<a href="Klapper" title="Klapper">klappern</a> unterschiedlicher Form, bei denen zwei Zimbelpaare auf Achsen in einem Holzblock aufgehängt sind. Hauptsächlich Sänger religiöser Lieder halten ein <i>kartal</i> in jeder Hand und schlagen beide an den Kanten zusammen. Die Schnurrassel <i>lezim</i> in <a href="Maharashtra" title="Maharashtra">Maharashtra</a> besteht aus einem Holzstab von etwa 50 Zentimetern Länge. An beiden Enden ist eine durchhängende Baumwollschnur festgebunden, die – in der Mitte gestreckt – mit dem Stab ein ungefähr gleichseitiges Dreieck bildet. Die auf der Schnur paarweise aufgereihten Eisenscheiben erklingen, wenn der Spieler mit einer Hand den Stab hält und mit der anderen an der Schnur zieht. Die <i>lezim</i> wird bei Prozessionen und Tänzen, vor allem beim ebenfalls <i>lezim</i> genannten Gruppentanz<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> der Frauen eingesetzt.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spielweise">Spielweise</h2></div>
<p>Die <i>chimta</i> wird als rhythmisches Begleitinstrument für Lieder und Instrumentalstücke zur Unterhaltung in der Volksmusik und für die religiösen Gesangsstile <i><a href="Kirtan" title="Kirtan">kirtan</a></i> und <i><a href="Bhajan" title="Bhajan">bhajan</a></i> verwendet, meistens zusammen mit der Fasstrommel <i><a href="Dholak" title="Dholak">dholak</a></i>.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Pakistan,_Afghanistan"><span id="Pakistan.2C_Afghanistan"></span>Pakistan, Afghanistan</h3></div>
<p>Die Volksmusik des Punjab ist überwiegend vokal.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im pakistanischen Punjab sind gemeinschaftliche Tänze und die dazu gehörenden Tanzlieder weiter verbreitet als in anderen, islamisch-konservativeren Provinzen. Ein oder zwei Vorsänger tragen solistisch oder mit rhythmischer Begleitung einen Vers vor, der im Wechselgesang von der übrigen Gruppe wiederholt wird, wobei diese die erste Verszeile weglässt. Zu den beliebtesten Gesangsformen gehören <i>mahiya, dhoola</i> und <i>boli</i>. Die <i>mahiya-</i>Lieder verwenden den dreizeiligen Verstyp <i>tappa,</i> aus dem der klassische Gesangsstil <a href="Tappa_(Musik)" title="Tappa (Musik)">Tappa</a> entstand. <i>Boli</i> besteht aus improvisierten Verspaaren und bildet die Struktur von Tanzliedern zum <i>bhangra-</i>Tanzstil der Männer und zum <i><a href="Giddha" title="Giddha">giddha</a></i>-Tanzstil der Frauen. Die Lieder, die von melodramatischen Liebesgeschichten mythischer Helden handeln, werden bei Hochzeiten und anderen Anlässen häufig im Wettstreit mehrerer Gruppen gesungen.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Sammelbezeichnung für professionelle männliche Sänger und Tänzer mit einer niedrigen Sozialstufe im indischen und pakistanischen Punjab ist <i>mirasi</i>. Die muslimischen Mirasi führen ihre Herkunft auf den Stamm der <a href="Quraisch" title="Quraisch">Quraisch</a> und in die Zeit des Propheten <a href="Mohammed" title="Mohammed">Mohammed</a> zurück. Sie treten traditionell auf Einladung und zur Unterhaltung reicher Familien in den Dörfern auf. Eine Mirasi-Gruppe, die Ras Dharia, führen abends im Schein von Petroleumlampen Schauspiele bekannter Volkserzählungen auf, die sie mit Liedern, begleitet von <i>chimtas</i>, unterbrechen. Andere Straßenmusiker haben ihr Heimatdorf verlassen, ziehen umher und treten mit ihren religiösen Liedern, <i>chimtas</i> und dem einsaitigen Zupfinstrument <i><a href="Ektara_(Lauteninstrument)" title="Ektara (Lauteninstrument)">ektara</a></i> an Mausoleen auf, an denen muslimische Heilige verehrt werden. <i>Chimta-</i>Spieler werden naheliegenderweise mit der Kaste der Schmiede (in Pakistan Lohar) in Verbindung gebracht.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein beliebter pakistanischer Volksmusiksänger aus dem Punjab ist Qurban Ali Niazi (Kurban Niazi, * 1947), dessen Karriere als Straßenmusiker in den Dörfern mit Gesang und <i>chimta</i>, begleitet von einem <i>dhol</i>-Spieler, begann.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er tritt heute als Sänger einer Band mit <i>chimta</i>, Harmonium, einer gezupften einsaitigen Spießlaute <i><a href="Tumbi" title="Tumbi">tumbi</a></i>, einer <a href="Doppelfl%C3%B6te" title="Doppelflöte">Doppelschnabelflöte</a> <i>jori</i> (entspricht der <i><a href="Alghoza" title="Alghoza">alghoza</a></i>) und einer <i>dhol</i> auf.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der im Punjab als Sohn eines Schmieds geborene Alam Lohar (1928–1979) war einer der beliebtesten pakistanischen Volksmusiksänger. Er begleitete sich stets mit einer <i>chimta</i> und machte das Instrument auf der Konzertbühne populär. Sein Sohn <a href="Arif_Lohar" title="Arif Lohar">Arif Lohar</a> (* 1966) setzt diese Tradition fort.
</p><p>In den <a href="Sufismus" title="Sufismus">Sufi</a>-Zentren (<i><a href="Tekke" title="Tekke">khanaqāh</a></i>) um <a href="Kabul" title="Kabul">Kabul</a> wurden bis in die 1970er Jahre bei nächtlichen Treffen religiöse Lieder mit Instrumenten der städtischen <a href="Afghanische_Musik" title="Afghanische Musik">afghanischen Musik</a> begleitet, eine Praxis, die orthodoxe <a href="Mullah" title="Mullah">Mullahs</a> verurteilten. Zu den Musikinstrumenten gehörten ein <a href="Harmonium#Das_Harmonium_in_Indien" title="Harmonium">Harmonium</a>, die Zupflauten <i><a href="Rubab" title="Rubab">rubab</a></i> und <i><a href="Tanbur" title="Tanbur">tanbur</a></i>, das aus Nordindien stammende Streichinstrument <i><a href="Dilruba" title="Dilruba">dilruba</a></i> und als Rhythmusgeber <i>chimta</i> und die Steinklappern <i>qairaq</i>.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Wandernde <a href="Derwisch" title="Derwisch">Derwische</a> und Anhänger der <a href="Qalandar" title="Qalandar">Qalandar</a> heißen in Pakistan <i>malang</i>. Manche Qalandar-Derwische singen religiöse Lieder, bei denen sie sich auf der einsaitigen Zupflaute <i><a href="Ektara_(Lauteninstrument)" title="Ektara (Lauteninstrument)">yaktaro</a></i>, der hölzernen Klapper <i>khartalon</i> in der linken Hand und manchmal mit um die Knöchel gebundenen Schellen <i><a href="Ghungru" title="Ghungru">ghungru</a></i> begleiten. Einige <i>malang</i> produzieren bei ekstatischen Rundtänzen außer mit den an ihren Kleidern befestigten Glöckchen mit <i>chimtas</i> perkussive Geräusche. Anhänger des in <a href="Aleppo" title="Aleppo">Aleppo</a> geborenen und in Nordindien wirkenden Sufi-Heiligen Schah Madar (Schah Badi ud-Din, * um 1050 oder lebte 1315–1434) schlagen beim Tanz zusätzlich mit ihrem <i>chimta</i> auf den Rücken. Als bedeutendster, <i>chimta</i>-spielender <i>malang</i> in Pakistan gilt Sain Mushtaq.
</p><p>Einen möglichen Hinweis auf die Bedeutung der <i>chimta</i> als Ritualinstrument bei pakistanischen Derwischen könnte eine Quelle aus dem 14. Jahrhundert geben, in der von einer Feuerzange die Rede ist, die als Reliquie des Propheten in der <a href="Imam-Husain-Moschee" title="Imam-Husain-Moschee">Sayyidna-al-Husain-Moschee</a> in <a href="Kairo" title="Kairo">Kairo</a> aufbewahrt wurde. Die pakistanischen <i>malang</i> verwenden eine Feuerzange, um ihr heiliges Feuer (<i>machh</i>) zu schüren. Mit einer ähnlichen Eisenzange (<i>anbur</i>) schlagen iranische Chaksar-Derwische<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> bei ihren <a href="Dhikr" title="Dhikr">Zikr</a>-Zeremonien den Takt.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Uttar_Pradesh,_Haryana"><span id="Uttar_Pradesh.2C_Haryana"></span>Uttar Pradesh, Haryana</h3></div>
<p>In der Volksmusik im indischen Uttar Pradesh und besonders bei Gruppengesängen wird auf den Rhythmus besonderen Wert gelegt. Hierfür dienen neben der <i>chimta</i> die Zimbeln <i>manjira</i>, die Fasstrommel <i>dholak</i> und die Zupftrommel <i><a href="Ektara_(Zupftrommel)" title="Ektara (Zupftrommel)">ektara</a></i>. Die Melodien stammen aus der eigenen Volksliedtradition oder sind mit den Tonfolgen klassischer <a href="Raga" title="Raga">Ragas</a> verwandt. <i>Chimta</i> und die Holzklapper <i>kartal</i> kommen üblicherweise im Umfeld der <i>dholak</i> vor.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><i>Dholak, manjira</i> und <i>chimta</i> gehören zusammen mit der kleinen Sanduhrtrommel <i>deru</i> (entspricht der <i><a href="Dhadd" title="Dhadd">dhadd</a></i>) zur devotionalen Musik für den Volksgott Gugga (ein Schlangengott), der in Rajasthan, Haryana und im Norden bis <a href="Himachal_Pradesh" title="Himachal Pradesh">Himachal Pradesh</a> vor Schlangenbissen schützen soll. Gugga wird von Hindus und Muslimen gleichermaßen verehrt. Beim Jahresfest Gugga Naumi ziehen in Haryana die Gläubigen (<i>bhagat</i>, von <i><a href="Bhakti" title="Bhakti">bhakti</a></i>) mit den genannten Musikinstrumenten, einem Symbol der Gottheit und fünf Tänzern in einer Prozession durch die Straßen. Beim Frühlingsfest <a href="Holi" title="Holi">Holi</a> kommen in Haryana zur Begleitung der ausgelassenen Tänze von Männern und Frauen die Perkussionsinstrumente <i>dhol</i> (große Fasstrommel), <i>jhanjh</i> (Zimbeln), <i>chimta, kartal</i> (Klapper) und <i><a href="Thali" title="Thali">thali</a></i> (Blechplatte mit umgebogenem Rand) zum Einsatz.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zu den Volksliedgattungen in <a href="Kaschmir_(Division)" title="Kaschmir (Division)">Kaschmir</a> im äußersten Nordwesten Indiens gehören die satirischen Verse <i>laddishah,</i> bei denen ein männlicher Sänger auf witzige Art gesellschaftliche oder politische Themen anspricht, während er sich auf einer <i>chimta</i> begleitet. Die klassische Musik Kaschmirs, <i>Sufiana mausiqi</i>, zeigt <a href="Iranische_Musik" title="Iranische Musik">persische Einflüsse</a>. Die jüngere Volksmusikgattung <i>chalant</i> bringt den eleganteren klassischen Stil mit dem lauteren <i>chakri</i> zusammen, einem der bekanntesten Volksmusikstile, bei dem fünf bis sechs Sänger einen Chor bilden, der unisono den Vers des Vorsängers wiederholt. Beim <i>chalant</i> wird die gleiche Zahl von Chorsängern von einem <a href="Harmonium#Das_Harmonium_in_Indien" title="Harmonium">Harmonium</a>, dem Kesseltrommelpaar <i><a href="Tabla" title="Tabla">tabla</a>,</i> von <i>dholak, chimta</i> und <i>thali</i> rhythmisch begleitet.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Punjab">Punjab</h3></div>
<p>Die im indischen Punjab von Amateurgruppen gespielte Musik wird je nach Anlass in Hochzeitslieder, Klagelieder, Arbeiterlieder der Frauen, Tanzlieder und andere unterteilt. Zu den Tanzmusikstilen gehören die Männertänze <i>bhangra</i> und <i>jhumar</i> (<i>jhummar</i>) sowie die Frauentänze <i>sammi</i> und <i>giddha</i>. Als einfache rhythmische Begleitinstrumente dienen die <i>chimta,</i> die hölzerne Klapper <i>kato</i> (<i>katto</i>, ein am Ende eines Holzstabes befestigtes, stilisiertes Eichhörnchen, dessen Kopf und Schwanz durch Ziehen an Schnüren zum Klappern gebracht werden<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>), die kleine <a href="Ektara_(Zupftrommel)" title="Ektara (Zupftrommel)">Zupftrommel</a> <i>bughchu</i>, die der Sanduhrtrommel <i><a href="Damaru" title="Damaru">damaru</a></i> ähnelt, und die <i>gharha,</i> ein der südindischen <i><a href="Ghatam" title="Ghatam">ghatam</a></i> entsprechender Tontopf, der mit Ringen an den Fingern geschlagen wird.
</p><p>Die anspruchsvolle religiöse Musik der Sikhs (<i>gurmat samgit</i>), die sie in ihren Versammlungsstätten (<a href="Gurdwara" title="Gurdwara">Gurdwaras</a>) pflegen, gehört musiktheoretisch zur nordindischen <a href="Klassische_indische_Musik" title="Klassische indische Musik">klassischen Musik</a> und hat analog zum dortigen <a href="Modale_Tonleitern" title="Modale Tonleitern">modalen</a> Konzept der Ragas 31 <i>rags</i> übernommen. Die 31 <i>rags</i> sind den 31 Kapiteln der heiligen Schrift der Sikhs, <i><a href="Adi_Granth" title="Adi Granth">Adi Granth</a></i> (<i>Guru Granth Sahib</i>), zugeordnet. Praktisch verstehen die Sikh-Musiker (<i>ragis</i>) ihre hymnischen Gesänge als eine Volkstradition.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Daher verwenden sie auch ohne zu zögern die kleine Fasstrommel <i><a href="Dholki" title="Dholki">dholki</a></i> und die <i>chimta</i> zur rhythmischen Begleitung. Beide Schlaginstrumente sind für die klassische Musik unbrauchbar, weil mit ihnen nur sehr begrenzt unterschiedliche <i>bols</i> (nach ihrer Klangqualität eingeteilte Trommelschläge) produziert werden können. Die Qualität der <i>bols</i> ist jedoch neben dem Schlagzyklus (<i>taal</i>) von zentraler Bedeutung für das Zeitmaß in der klassischen Musik. Durch die Verwendung von <i>dholki</i> und <i>chimta</i> in der religiösen Musik der Sikhs gehen klassische Musik und Volksmusik eine seltene – und von klassisch gebildeten Musikern kritisierte – Verbindung ein. Eine weitere Kritik richtet sich gegen die Kommerzialisierung und Verflachung der Sikh-Lieder (<i>kirtan, kirten</i>), wenn die Sänger für die Abschnitte (<i>shabad</i>) des <i>Adi Granth</i> nicht mehr die hierfür komponierten <i>rags</i> verwenden, sondern als melodische Basis Motive aus der Popmusik oder von Filmmusik-<i><a href="Ghasel" title="Ghasel">ghazals</a></i> vortragen.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Wenn es um Musik und Tanz der in westlichen Ländern lebenden Punjabis geht, ist zuerst <i><a href="Bhangra" title="Bhangra">bhangra</a></i> gemeint. Dieser Stilmix aus westlicher Popmusik und der Volksmusik des Punjab wurde in den 1980er Jahren unter den in Großbritannien lebenden Punjabis populär und bildet eine im Wesentlichen auf indische Diasporagemeinden beschränkte Nische im Bereich der <a href="Weltmusik" title="Weltmusik">Weltmusik</a>. Der vermutlich aus einem bei der Getreideernte aufgeführten Punjabi-Volkstanz hervorgegangene Kreistanz wird traditionell von der mit Stöcken geschlagenen Fasstrommel <i><a href="Dhol" title="Dhol">dhol</a></i> und <i>chimta</i> sowie von der Klapper <i>sap</i> (<i>sapp,</i> mit Gelenken verbundene Holzstäbe, die ziehharmonikaartig zusammengedrückt werden), der Spießlaute <i>tumbi</i> oder einer ähnlichen <i><a href="Ektara_(Lauteninstrument)" title="Ektara (Lauteninstrument)">ektara</a></i> (für einen rhythmischen <a href="Bordun" title="Bordun">Bordunton</a>) und der Doppelschnabelflöte <i>alghoza</i> begleitet. Die stets männlichen Tänzer tragen <a href="Fu%C3%9Fkettchen" title="Fußkettchen">Fußkettchen</a> (<i>ghunghru</i>) oder betätigen die Holzklapper <i>kato</i>.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Frauen führen statt <i>bhangra</i> den Tanz <i>giddha</i> auf, bei dem der Rhythmus ohne Trommeln durch Händeklatschen erzeugt wird. Bei den heute üblichen Pop-Versionen von <i>bhangra</i> (eigentlich <i>disco bhangra</i>), die mit dem ursprünglichen Punjabi-Tanz wenig gemein haben,<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ist die Geschlechtertrennung aufgegeben und die Musik wird wesentlich von <a href="Hindi-Film" title="Hindi-Film">Bollywoodmusik</a> und <a href="DJ" title="DJ">DJs</a> geprägt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Laurence Libin: <i>Chimta.</i> In: Laurence Libin (Hrsg.): <i>The Grove Dictionary of Musical Instruments.</i> Band 1, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 517</li>
<li>Stichwort: <i>Chimtā.</i> In: Late Pandit Nikhil Ghosh (Hrsg.): <i>The Oxford Encyclopaedia of the Music of India. Saṅgīt Mahābhāratī.</i> Band 1. Oxford University Press, Neu-Delhi 2011, S. 239</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>M. Lalitham, M. Nandini: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.thehindu.com/features/friday-review/music/chimta-a-musical-instrument-was-also-played-by-shirdi-sai-baba/article8649722.ece"><i>Tongs keep the tempo</i>.</a> The Hindu, 26. Mai 2016</li>
<li>David Courtney: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://chandrakantha.com/music-and-dance/instrumental-music/indian-instruments/chimpta/"><i>Chimpta (chimta).</i></a> chandrakantha.com</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=q2Co3QgSEqk"><i>Chimta lesson with Arif Lohar.</i></a> Youtube-Video (<a href="Arif_Lohar" title="Arif Lohar">Arif Lohar</a> gibt <i>chimta</i>-Unterricht.)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=pE-v5R08cn0"><i>Granth Sahib Sukh Asan Procession – Chardi Kala 'Shabad'.</i></a> Youtube-Video (Die verehrte heilige Schrift der Sikhs, <i>Guru Granth Sahib,</i> wird am Ende einer Veranstaltung/Lesung zeremoniell zugeklappt und in einer <i>sukhasan</i> genannten Prozession mit Gesang, begleitet von <i>dholak</i> und <i>chimta</i>, an ihren Aufbewahrungsort zurückgebracht.)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=abLdOcU1ctM"><i>Sain Mushtaq Performance.</i></a> Youtube-Video</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<div class="mw-references-wrap mw-references-columns"><ol class="references">
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<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=bGsK_bm5xRk"><i>Introducing the Chimta.</i></a> Youtube-Video (<i>chimta</i> ohne Zimbeln und mit Stöckchen geschlagen)</span>
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<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/SangeetNatakMuseum/page/n3/mode/2up"><i>Gallery of Musical Instruments.</i></a> Museum of Performing Arts. Sangeet Natak Akademi, Neu-Delhi, S. 38f</span>
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<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=EKYs3fVe1Qc"><i>Lezim – Indian Folk Dance.</i></a> Youtube-Video</span>
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</li>
</ol></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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